Die ersten jugendlichen Fahrzeugbegleiter und Streitschlichter sind jetzt in Schulbussen und Schülerzügen im Einsatz
Seit Wochenanfang kümmern sich die ersten 24 jugendlichen Fahrzeugbegleiter um einen stressfreien Schulweg in Bus und Bahn. Schüler der achten Klassen der Theodor-Heuss-Realschule und der Freien Evangelischen Schule Lörrach absolvierten eine Ausbildung im Präventionsprojekt "Faires Fahr'n in Bus und Bahn" (FFIBB).
Mitglieder bei FFIBB sind Polizeidirektion, Staatliches Schulamt, Stadt und Kreis Lörrach, der Bundesgrenzschutz, der Regio Verkehrsverbund Lörrach und die Busunternehmen SBG und SWEG. Das Modell, in Großstädten bereits praktiziert, wurde jetzt erstmals im ländlichen Raum aufgegriffen. Denn auf dem Schulweg in Bus und Bahn herrschen heutzutage raue Sitten: Das Spektrum reicht von Sachbeschädigungen wie Kritzeleien, Sitze-Zerschlitzen und Scheiben-Zerkratzen über Mobbing, Drängeln und Schubsen bis zu handfesten Erpressungen und Keilereien. Der Busfahrer muss das Fahrzeug durch den Verkehr steuern und kann wenig tun, in den Zügen sind Zugbegleiter selten zu sehen und viele Erwachsene schauen einfach weg.
Die jugendlichen Fahrzeugbegleiter greifen nun in Zweierteams bereits an Bushaltestelle und Bahnsteigkante ein, etwa, wenn beim Ein- und Aussteigen gedrängelt, der Bahnsteig als Mülleimer zweckentfremdet oder die Abkürzung über die Gleise genommen wird. Sie helfen den Kleinen, wenn sie vom Platz und durch den Bus gescheucht werden, schlichten Streit und schreiten ein bei Mobbing und Sachbeschädigung.
Busfahrer, Zugbegleiter und Lokführer sind ins Projekt mit eingebunden, Rektoren und Betreuungslehrer sind als Ansprechpartner mit beteiligt. Während der Ausbildung lernen die Jugendlichen, wie man Andere auf ihr Fehlverhalten aufmerksam macht, Streit schlichtet und Erwachsene gezielt um Hilfe bittet. Und sie lernen auch, dass ihre eigene Sicherheit Vorrang hat: Wenn Erwachsene oder Betrunkene Ärger machen oder Waffen im Spiel sind, halten sich die jugendlichen Fahrzeugbegleiter heraus.
Über zehn Wochen hinweg übten die Schüler in der Theorie und in Rollenspielen couragiertes und angemessenes Verhalten in Konfliktsituationen. Um das Ganze lebensnah zu gestalten, fand ein Teil der Ausbildung in SBG-Bussen statt. Am Freitag nahmen die Fahrzeugbegleiter in Schopfheim stolz ihre Ausweise entgegen: Mit dem eigenen Foto versehen, werden diese gut sichtbar um den Hals getragen. Zur Belohnung bekommen die Schüler nach einem Jahr Einsatz einen großen Tagesausflug spendiert.
Wichtiger ist den Befragten jedoch das Gefühl, etwas gegen die unguten Zustände tun zu können. Viele berichten von eigenen schlechten Erfahrungen: Von Trinkflaschen, die als Wurfgeschosse durch den Bus fliegen, von Fünftklässlern, die man nicht an ihrer Haltestelle aussteigen lässt und durch den Bus schubst. Matthias war Zeuge einer Erpressung, Marion wurde mit einem Taschenmesser bedroht und Justus erzählt: "Ich wurde früher auch geärgert und fand keine Hilfe. Deshalb will ich jetzt Anderen helfen". Keiner der 24 Achtklässler brach die Ausbildung ab, so Dieter Troppmann von der Polizeidirektion. RVL-Ausbilderin Andrea Biebl zeigte sich beeindruckt von der Motivation der Teilnehmer. Bei 24 Fahrzeugbegleitern soll es nicht bleiben. In Lörrach sind Hebel- und Hans-Thoma-Gymnasium bereits ins Projekt eingestiegen, die Städte Zell und Rheinfelden wollen folgen.
