Wiesentalbahn macht der SBB Probleme - haben sich die Schweizer verkalkuliert?

Haben sich die SBB mit ihrem Engagement auf der Wiesentalbahn überhoben? Medienberichten zufolge fahren die Schweizer, die 2003 mit viel Vorschusslorbeeren die Strecke zwischen Basel und Zell von der DB übernommen haben, rote Zahlen ein. Beobachter gehen davon aus, dass sich die SBB schlicht und einfach verkalkuliert haben.

 

Fast die gesamte erste Seite ihres Regionalteils widmete die "Basler Zeitung" am Mittwoch der misslichen Lage der SBB im Wiesental. Dort wird Wolf-Dieter Deuschle, Geschäftsführer der SBB Deutschland in Konstanz, mit den Worten zitiert: "Es ist kein Geheimnis, dass wir im Wiesental finanziell noch nicht da sind, wo wir hin möchten." Über die Höhe der Verluste schweigt sich die SBB aber aus. Gegenüber "Der Sonntag" durfte Deuschle keine Auskunft mehr geben, der zuständige Pressesprecher in der SBB-Zentrale in Bern war in dieser Woche nicht erreichbar.

 

Als Grund für die finanzellen Schwierigkeiten sehen Beobachter vor allem eine überzogene Erwartungshaltung der SBB. Die Schweizer hatten offenbar gehofft, dass über den Regio Verkehrsverbund Lörrach (RVL) mehr Geld in ihre Kassen fließt als es dann tatsächlich der Fall war. "Etwas blauäugig" seien die SBB an die Sache herangegangen, meint RVL-Geschäftsführer Frank Bärnighausen. Das Tarifsystem des RVL habe von Anfang an offen gelegen, doch die Schweizer hätten sich offenbar nur ungenügend informiert.

 

Der Knackpunkt: Beim RVL werden die Erlöse anders verteilt, als dies in der Schweiz üblich ist. Vereinfacht gesagt, handelt es sich um ein Solidarsystem, das heißt alle Partner profitieren von steigenden Fahrgastzahlen. Die SBB haben damit kalkuliert, dass sie die Fahrgastzahlen im Wiesental deutlich steigern und davon relativ unmittelbar auch profitieren.

 

Tatsächlich bekommen die SBB seit 2005 über den ursprünglichen Anteil von 13 Prozent hinaus zusätzliches Geld, das daraus resultiert, dass sie ihr Verkehrsangebot um ein Viertel gesteigert haben. Bärnighausen widerspricht aber der Darstellung, als sei dies ein Zugeständnis an die Schweizer, die mit Nachdruck auf eine Änderung des RVL-Systems gedrungen hatten. "Dass es bei einer Steigerung des Angebots mehr Geld gibt - auch das war von Anfang an offenkundig", meint Bärnighausen. Das einzige, was man den SBB zugestanden habe, sei, dass sie die Fahrgastzahlen nach Schweizer System erheben können.

 

Trotz aller Widrigkeiten schauen die SBB mit Optimismus in die Zukunft. 2007 soll die SBB Deutschland, zu der außer der Wiesentalbahn noch Strecken im Bodenseeraum gehören, schwarze Zahlen schreiben. Man erhofft sich zudem Einsparungen durch die Beschäftigung eigener Lokführer. Bislang hatten die SBB ihre Lokführer über Fremdfirmen eingekauft.

 

Für bessere Launen auch bei den Fahrgästen soll zudem der "Flirt" sorgen. Der neue Zug fährt ab dem heutigen Sonntag endgültig in Doppel-Traktion zwischen Basel und Zell; zwischen Weil und Lörrach ist der "Flirt" bereits länger im Einsatz. Die SBB hoffen, damit auch bei den Fahrgästen wieder besser punkten zu können. In der vergangenen Zeit hatten immer wieder Pannen dafür gesorgt, dass der am Anfang gute Ruf der SBB leiden musste. Allerdings waren die Schweizer nicht für alle Widrigkeiten verantwortlich.