RVL-Chef Bärnighausen über Vorhaben und Probleme des Verkehrsverbundes
Seit fünf Jahren besteht der Regio Verkehrsverbund Lörrach (RVL). Viel hat sich seither getan, am markantesten ist wohl der Einstieg der Schweizer SBB auf der Wiesentalstrecke. Nach der jüngsten Preiserhöhung unterhielt sich Alexander Huber mit Geschäftsführer Frank Bärnighausen über die Zukunft des Nahverkehrs.
Herr Bärnighausen, wie geht es dem RVL im Jahr 2004?
Der Regio Verkehrsverbund Lörrach besteht seit 1995 und hat sich gut etabliert. Wir verzeichnen über all die Jahre steigende Fahrgastzahlen. Ich denke, es ist uns gelungen, für verschiedene Zielgruppen passende Angebote zu entwickeln. Wobei wir mehr auf Stammkunden mit Zeitkarten setzen, weniger auf Gelegenheitsnutzer. Die positive Entwicklung bestätigt die Richtigkeit der Tarifpolitik und den Kurs des Verbundes. Die andere Seite ist die Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs. Ohne Zuschüsse geht es nicht. Doch wir stellen in den letzten Jahren fest, dass die Zuschüsse kontinuierlich runtergefahren werden - sei es vom Bund, vom Land oder vom Landkreis. Insbesondere seit letztem Jahr verzeichnen wir massive Einschnitte.
Wie gehen Sie damit um?
Zunächst gibt es eigentlich nur zwei Wege: Tarife erhöhen oder Angebot kürzen. Wir mussten zum 1. August die Tarife stärker erhöhen, als wir vorhatten. Auf Dauer ist die einzige Chance die, dass die Nachfrage wächst, die Einnahmen ebenfalls steigen und Zuschusskürzungen so mehr oder weniger kompensiert werden können.
Was sagen die Kunden zu den Preissteigerungen?
Bislang ist die Reaktion verständnisvoll bis neutral. Natürlich freut sich keiner über Preiserhöhungen. Aber wir versuchen, es immer noch marktverträglich zu gestalten. Es nützt uns ja auch nichts, wenn die Preiserhöhungen dazu führen, dass die Kunden abspringen. Wir hatten jetzt eine Erhöhung von viereinhalb Prozent im Schnitt - das ist viel, aber es ist notwendig und vertretbar.
Es werden immer wieder Wünsche nach einem großen Verkehrsverbund in Südbaden laut. Die Diskussion gibt es, seit es Verbünde gibt - sind sie zu klein, muss man mehr kooperieren?
Wir sind der Meinung, dass die kleinräumige Struktur ihre Vorteile hat. Wir haben Angebote sehr speziell für die Bürger hier. Es gibt natürlich Verbund übergreifende Verkehrsströme - nach Freiburg, Waldshut und in die Nordwestschweiz. Diese sind - gemessen am Binnenverkehr des RVL - jedoch nachrangig. Wir haben ja bereits gute gemeinsame Angebote mit unseren Nachbarverbünden und verschließen uns nicht, diese weiter auszubauen. Wichtig ist für uns auch die Zusammenarbeit mit der Nordwestschweiz: Die grenzüberschreitende Tarifkooperation ist aus unserer Sicht schon auf einem sehr guten Level.
Liegt ihre Zurückhaltung auch darin begründet, dass es schon in einem kleineren Verbund schwierig ist, alle Interessen unter einen Hut zu bringen?
Klar. Es spielt die Lokalpolitik mit, die Landespolitik, es spielen die Verkehrsunternehmen mit. Man kann davon ausgehen, dass es mit mehr Beteiligten und vielfältigen Interessenslagen nicht unbedingt einfacher wird.
Wie sehen Sie die ÖPNV-Versorgung im RVL-Gebiet, auch in den eher entlegenen Gebieten?
Natürlich sind entlegene Gebiete nicht so gut versorgt wie die starken Achsen. Ich denke, wir können bei den geschilderten Rahmenbedingungen froh sein, wenn wir unseren guten Level halten können. Ausgebaut wird derzeit die Wiesentalstrecke. Es wäre wichtig, dass die Durchbindung nach Basel SBB bald kommt. Im ländlichen Raum werden wir allerdings keine großen Sprünge machen können.
Im Programm der Grünen zur Kreistagswahl gab es Ideen zur Reaktivierung der Kandertalstrecke. Ist so etwas realistisch?
Das Kandertal hat durch die Buslinie 55 eine bessere Versorgung als früher. Ob die Nachfrage für eine Reaktivierung der Schienenbedienung reicht, wage ich zu bezweifeln. Im Moment ist eine Studie in Arbeit, die die Potenziale einer Durchbindung der künftigen S-Bahn-Linie Steinen-Weil bis Binzen auslotet. Erste Erkenntnisse liegen vor, und die sind, wie man hört, na ja, nicht so gewaltig. Da ist ein Fragezeichen schon berechtigt.
Seit gut einem Jahr fährt die SBB im Wiesental. Die Kunden sind, so hört man, zufrieden. Ist der Einstieg eines Schweizer Unternehmens in einen deutschen Tarifverbund geglückt?
Bisher nur zum Teil. Die SBB hat das Fahrplanangebot von der DB ja eins zu eins übernommen, und das funktioniert auch gut. Was noch nicht erfolgt ist, ist die Einbindung der SBB direkt in den Verkehrsverbund, sei es als Gesellschafter oder assoziiertes Mitglied. Seit zwei Jahren ist das eine Hängepartie, aber ich bin zuversichtlich, dass der Knoten bald durchschlagen wird.
Knackpunkt ist die Verteilung der Fahrgeldeinnahmen?
Bevor eine Einigung im Verbund erfolgen kann, muss sich die SBB zunächst einmal mit der DB über die Einnahmeübertragung einigen. Dies ist bislang nicht erfolgt. Es gab abweichende Vorstellungen von Schweizer Seite, wie ein deutscher Verkehrsverbund funktionieren soll. Der RVL hält die Tür aber weiterhin offen.
