Der SBB-Sonderzug "Sicher Fair" steht bis Freitag auf Gleis 3 im Schopfheimer Bahnhof / Zielgruppe sind vor allem Schüler

Am Schopfheimer Bahnhof auf Gleis 3 steht bis Freitag der SBB-Sonderzug "Sicher Fair". In vier umgebauten Reisezugwagen werden hier insgesamt 550 Schüler aus 22 Klassen und acht Schulen über die Folgen von Vandalismus, Sachbeschädigung, Drängeln, Schubsen, Gleisüberschreitungen und Schwarzfahren aufgeklärt.

 

Das Projekt des Betreibers der Wiesentallinie SBB setzt auf Information und Selbstmotivation jugendlicher Fahrgäste, Hauptzielgruppe sind die Klassen 6 bis 8. Die Klasse H7a der Freien Evangelischen Schule Lörrach war die erste, die über zwei Schulstunden hinweg den Sonderzug betrat. Schulmoderatoren von SBB und Bundespolizeiinspektion Lörrach begleiteten die Jugendlichen durch die Stationen Darkroom, Unfallverhütung, Verhaltenstipps, Kino und Magic Quiz.

 

"Gefährlich!", "Kriminell!" Bedrohliche Stimmen wispern beim Gang durch den langen, engen, finsteren Darkroom mit seinen verstörenden fluoreszierenden Aufschriften an den Wänden. Im selben Wagen sind eine mustergültig saubere Abteil-Sitzgruppe und eine vermüllte, aufgeschlitzte, verdreckte Sitzgruppe nebeneinander platziert. "Möchtet ihr euch hier hinsetzen", fragt der Moderator die sichtlich angeekelte Schülergruppe. In einem Kurzfilm erzählt der sympathische Lokführer "Michael" von seinem Arbeitsalltag - plötzlich werden die Folgen von Gleisüberquerungen oder spaßeshalber blockierten Zugtüren anschaulich, danach werden die Schüler gezielt nach ihrem eigenen Verhalten gefragt.

 

Ein Polizist zeigt Fotos von Gefahrensituationen am Schopfheimer Bahnhof und erzählt von realen, durch Fehlverhalten provozierten Unglücksfällen. Zuletzt wird das neu erworbene Wissen beim professionell aufgemachten Magic Quiz abgefragt, als Gewinn winken 70 Euro für die Klassenkasse. Eine Schülerin meint zuletzt: "Ich hab's mir nicht so interessant vorgestellt", eine andere weiß jetzt, dass ein Zug einen ungleich längeren Bremsweg hat als ein Pkw.

 

In der Schweiz verkehrt der Sonderzug seit einem Jahr, in Deutschland kommt er erstmals zum Einsatz. Die Aktion findet in Zusammenarbeit mit den Partnern von FFiBB (Faires Fahr'n in Bus und Bahn), dem Regio Verkehrsverbund Lörrach (RVL) und der Bundespolizei statt. Im Rahmen von FFiBB werden seit über zwei Jahren Schüler zu ehrenamtlichen Fahrzeugbegleitern ausgebildet, Schirmherr ist nun Landrat Schneider. Laut Aussagen der Fahrunternehmen hätte sich das Klima in Bus und Bahn seit Projektbeginn verbessert, sagte RVL-Geschäftsführer Frank Bärnighausen. Zugbegleiter indes fahren aus Kostengründen nur noch bei jeder fünften Fahrt mit. Cornelia Zürn, für Marketing, Tarif und Vertrieb bei der SBB GmbH Deutschland zuständig, dazu: Bei stärkerer Präsenz würden sich die Probleme nur in andere Bereiche hin verlagern. Neben Aufklärung und Mediation setzt die SBB auch auf Videoüberwachung in den FLIRT-Waggons, die vom vierten Quartal an im Wiesental verkehren sollen.